Wissenswertes
Trendsetter in der Schweiz?
Test der Fiat Elektra

Trendsetter in der Schweiz?

Ganz konkurrenzfähig sind sie zwar noch nicht, und ihre technischen Möglichkeiten sind keineswegs ausgeschöpft.Aber die Zeit der Pioniere und Visionäre geht zu Ende, viele Experten sehen den grossen Umschwung zum Elektroauto bevorstehen.

Nach dem Boom bei Elektroscootern – allein die Schweizer Post hat bereits 500 Stück und will weitere 500 kaufen – kommt nun der bei Elektroautos. Der Weltabsatz von 29 Millionen Fahrzeugen dieses Jahr (90 Prozent davon sind Zweiräder aus chinesischer Produktion für China) soll laut Marktforschern bis 2020 auf 49 Millionen steigen.

1950er-Jahre–Charme

In der Schweiz sind wenige Modelle auf dem Markt. Wir haben das Modell Fiat 500 Elektra ausprobiert. Das kleine Auto basiert auf dem Fiat Cinquecento und fällt durch das Design auf, das den Charme der 1950er-Jahre zitiert.

Die elektrische Version wird von Kamoo in Schlieren umgerüstet, die Komponenten kommen als Bausatz von der Tessiner MES-DEA, einem Elektrotechnik-Hersteller mit langer Erfahrung. Mit der Zebrabatterie (Natriumchlorid-Nickel) elektrifiziert MES-DEA seit Jahren Fahrzeuge einzeln oder in Kleinserien, neben dem Cinquecento auch den Panda und den Twingo.

Das Fahren mit dem Cinquecento Elektra erweist sich als problemlos. Das Auto beschleunigt stufenlos und flink, hält im Stadt- und Vorortsverkehr jederzeit mit, bewältigt auch Steigungen, ein ideales Auto für Kurzstrecken. Die Grenzen werden spürbar, wenn man etwa auf der Forchautostrasse (bergwärts) überholen möchte. Da bietet der amerikanische Tesla, der ebenfalls bereits lieferbar ist, mehr. Der sportliche Roadster mit Lithium-Ionen-Batterie kann es bei der Beschleunigung und bei der Höchstgeschwindigkeit mit herkömmlichen Sportwagen aufnehmen – beim Design ebenfalls. Dieses Auto eignet sich für Leute mit Spass an moderner Technik, die sich ihre Vorreiterrolle auch etwas kosten lassen.

Aufladen über Nacht

Der pfiffige Cinquecento und der rassige Tesla überzeugen mit ihren Fahreigenschaften. Problemlos funktioniert das Nachladen an der Steckdose über Nacht in der eigenen Garage, künftig sollen auch Schnellladungen möglich sein, beispielsweise an der Tankstelle, während man einen Kaffee trinkt. Doch wie weit bringt einen die Batterie, und was kostet der Spass? Der 500 Elektra hat eine Reichweite von 100 bis 150 Kilometern, was für die meisten Alltagsanwendungen genügt. Dennoch blickt der Anfänger immer wieder auf die Ladeanzeige der Batterie. Die Rekuperationsbremse füllt den Energievorrat nach, abgesehen von längeren Talfahrten lässt sich damit aber nicht sehr viel Strom gewinnen.

160’000 Kilometer pro Batterie

Der Tesla kommt mit seiner Batterie bis 350 Kilometer weit (das entspricht zum Beispiel der Strecke Aarau–München), wenn er sanft gefahren wird. Die Stromkosten sind gering, je nach Tarif kommen 100 Kilometer auf 1.50 bis 3.50 Franken. Zum Vergleich: Ein konventionelles Mittelklasseauto kostet zwischen 50 und 100 Franken auf 100 Kilometer.

Aber die Elektrofahrzeuge sind (noch) teuer, der kleine Fiat kostet gut 50’000 Franken, der schnelle Tesla um die 150’000 Franken, die Batterie allein beim ersten 7000 Franken, beim zweiten 15’000 Franken. Da ihre Lebensdauer begrenzt ist, wird die Gesamtrechnung entscheidend davon beeinflusst, auf wie viele Kilometer sich die Amortisation der Batteriekosten verteilt. Tesla verspricht eine Batterielebensdauer von 160’000 Kilometer, was etwa sieben Betriebsjahren entspricht; echte Erfahrungswerte liegen aber noch nicht vor. Eine Rolle bei der Batteriealterung spielt auch die Zahl der Ladevorgänge, wobei die Lithium-Ionen-Batterie laut Herstellern weniger empfindlich ist als andere Typen.

Viel diskutiert wird, ob ein Elektroauto als CO2-frei gelten dürfe oder ob sich die CO2-Produktion einfach vom Auto ins Elektrizitätswerk verlagere. Die Elektrizitätswirtschaft hat diese Woche am 1. Schweizer Forum Elektromobilität, das auf Initiative des TCS durchgeführt wurde, Berechnungen vorgelegt (siehe Box links). Demnach belastet ein typisches Elektrofahrzeug das Klima mit 23 Gramm CO2 pro Kilometer, den Stromimport aus fossilen Quellen eingeschlossen. Der heutige Flottendurchschnitt neuer Autos in der Schweiz beträgt fast das Achtfache. Dank der viel effizienteren Stromerzeugung wird die Primärenergie beim Elektrofahrzeug zu 40 Prozent in Bewegung umgesetzt, beim Dieselauto bestenfalls zu 20 Prozent.

Zweiplätzer für 24’000 Franken

Die technische Machbarkeit des Elektroautos ist längst bewiesen – schon vor 100 Jahren waren in der Schweiz mehrere Unternehmen auf diesem Gebiet tätig, unter anderem Saurer. Die Vorteile bei Lärm und Abgasen sind unbestritten. Ausser MES-DEA sind heute weitere Schweizer Unternehmen im Geschäft. Der in der Schweiz entwickelte originelle dreirädrige Zweiplätzer Sam beispielsweise ist inklusive Lithium-Polymer-Batterie für 24’000 Franken zu haben. Er schafft mit einer Ladung bis zu 90 Kilometer Reichweite.

Bei den grossen Autoproduzenten gibt es derzeit mehrere, weit fortgeschrittene Projekte: Nissan und Mitsubishi wollen noch dieses Jahr echte Elektroautos lancieren, Smart und Mini haben elektrifizierte Modelle in Flottenversuche geschickt, auch aus China sind Elektroautos angekündigt.

Uneinige Experten

Widersprüchlich sind allerdings die Prognosen der Marktexperten. Ihre Schätzungen, wie viele Elektroautos in den nächsten Jahren auf die Strasse kommen, gehen weit auseinander. Die Strombranche jedenfalls ist entschlossen, das Umschwenken zu fördern, und hofft gar, bei der Energieversorgung für den Individualverkehr die Ölbranche langfristig abzulösen. Sie erwägt, sich neue Märkte zu erschliessen, etwa indem die Elektrizitätsversorger den Autofahrern Autobatterien vermieten und diese anderseits als dezentrale Zwischenspeicher für Strom benützen. Das würde Milliardeninvestitionen bedingen, aber für die Endkunden den Preis der Fahrzeuge reduzieren und den Stromversorgern willkommene Speicherkapazitäten bringen.

Quelle: bazonline.ch (Tages-Anzeiger)

Videos von der Elektroauto-Messe eCarTec Berichterstattungecartec-Tweets: Das wird gerade über die Elektroauto-Messe getwittert! Ticker

ÖKOPORTAL - Das Webverzeichnis der Ökobranche ÖKO-Top100.de - Ökomobilität, grün, Autos, KFZ, Ökoautos, Elektroauto, BrennstoffzelleArtikelverzeichnis SEO Umweltenergie-Top100

AUTOS FINDEN.