Geschichte
Überlandwerk feiert rundes Jubiläum

Stolz und selbstbewusst seit 100 Jahren

Im Dezember vor hundert Jahren wurde von der „Rheinischen Schuckert-Gesellschaft für elektrische Industrie Aktiengesellschaft“ (RSG), Mannheim, und der Stadt Mainz die „Überlandzentrale Mainz, Nördliches Ried“ gegründet. Das heutige Überlandwerk Groß-Gerau (ÜWG) lieferte im Mai 1912 den vom Mainzer Kraftwerk auf der Ingelheimer Aue produzierten Strom erstmals ins Riedgebiet.

„Stolz und selbstbewusst“ gehe das ÜWG nun ins zweite Jahrhundert, erklärt Geschäftsführer Hanns-Detlev Höhne. Und lädt die Region ein, gemeinsam mit dem ÜWG das Jubiläum zu feiern. Es werde keine akademische Feier geben, sondern das ÜWG werde sich durch verstärktes Sponsoring bei verschiedenen etablierten Veranstaltungen im Kreis Groß-Gerau engagieren.

Außerdem will sich das ÜWG im Senegal engagieren und unter dem Arbeitsmotto „Stadtwerke gründen Dorfwerke“ in entlegene Gebiete nachhaltig produzierte elektrische Energie bringen. Eine Reise dorthin zur Einweihung sei aber nicht geplant, betont Höhne.

Neben diesen vielen kleinen Festen und Veranstaltungen will das ÜWG auch eine Chronik herausgeben. Zusammengestellt hat die Historikerin Heidemarie Seidl die Daten, die von „100 Jahren voller Spannung“ erzählen. Die Einrichtung der ersten elektrischen Straßenbeleuchtung sei vor hundert Jahren ein solches Ereignis gewesen, dass meist ein „Lichtfest“ bei der Inbetriebnahme gefeiert wurde.

Zu den ersten Gemeinden, mit denen die RSG einen Stromliefervertrag abschloss, gehörten Goddelau, Stockstadt, Biebesheim, Erfelden, Crumstadt, Wolfskehlen und Leeheim. Im Jahr 1912 erwarb die RSG das private Elektrizitätswerk von Wilhelm Schlott in Rüsselsheim für 26751,01 Mark. Im Kaufpreis eingeschlossen waren sämtliche maschinellen Einrichtungen sowie das Stromnetz in Rüsselsheim einschließlich der Hausanschlüsse und Zähler. Wilhelm Schlott trat in die Dienste der Gesellschaft und wurde bis zu seinem plötzlichen Unfalltod 1914 erster Direktor des Überlandwerks.

Im Jahr 1912 wurden zwei Millionen Kilowattstunden Strom an einige tausend Abnehmer abgegeben, im Jahr 1960 waren es 100 Millionen Kilowattstunden mit rund 32500 Tarif- und 100 Sonderabnehmern. Im Jahr 1914 wurden von insgesamt 30 Gemeinden im Kreisgebiet 19 vom Überlandwerk mit Strom versorgt. Das Hochspannungsnetz des Überlandwerks hatte im Jahr 1912 eine Länge von 67 Kilometer, im Jahr 1960 waren es 208 Kilometer und heute sind es 1900 Kilometer.

Ab dem Jahr 1916 lieferte das Überlandwerk neben Strom auch Gas. Aus diesem Grund wurde eine Gasleitung von Mainz-Kostheim nach Rüsselsheim verlegt. Aus dieser Leitung wurden die im Ersten Weltkrieg kriegswichtigen Opelwerke versorgt, ab 1926 auch die Stadt Rüsselsheim. 1919 pachtete das Überlandwerk die Gleichstromzentrale von Philipp Lämmermann in Groß-Gerau, ersetzte die Dampfmaschine durch Elektromotoren und betrieb das Netz bis 1928 weiter. Die Kreisstadt Groß-Gerau übernahm 1928 die Stromversorgung in eigener Regie, 1921 kam als letzter nicht versorgter Ort Hassloch ins Netzgebiet des Überlandwerks hinzu. Im Jahr 1956 kam als letztes das private Netz der Gebrüder Volz in Bauschheim und Ginsheim zum Überlandwerk hinzu.

Ab 1956 wurden im gesamten Versorgungsgebiet Haushaltsberatungen sowie Koch- und Backkurse abgehalten. Innerhalb eines Jahres fanden 24 Werbevorträge mit insgesamt 461 Besuchern statt, es wurden 881 Elektro-Vollherde, 84 Tischherde, 239 Heißwasserspeicher und acht Futterdämpfer neu angeschlossen.

Das Überlandwerk gründet 2005 die eprimo GmbH,trennt Stromnetz und Stromlieferung. Anfang 2007 wird das ÜWG eine hundertprozentige Tochter der Stadtwerke Mainz.

Quelle: Main Spitze , 12.02.2010

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