Autos
Museeumsleiter als Vorbild

Elektroflotte eigentlich nix neues

Elektroautoflotten gab es schon wie Sand am Meer. England setzte jahrelang auf elektrische Milchlaster. General Motors baute mehr als 1000 Stromer vom Typ EV-1, ließ aber fast alle wieder verschrotten. Mini testete einen kleinen Stromer in den USA, Smart sammelte Erfahrungen mit 100 Elektro-Smarts in London und schickt in diesem Jahr schon die zweite Generation des Smart ed auf die Reise. Den soll man in zwei Jahren sogar ganz normal beim Händler kaufen können. Doch viele Testflotten warten bislang vergeblich darauf, als Vorläufer eines elektrischen Serienmodells in die Geschichte einzugehen.

So erging es auch dem Golf City-Stromer. Kein Schadstoffausstoß im Straßenverkehr, kein direkter Verbrauch von Kraftstoff und konkurrenzlos leise – das sind die Vorteile des Elektroautos -, so steht es neben dem Exponat im VW-Museum zu lesen. Rund 100 Stromer auf Basis des Golf 3 wurden ab 1993 in Kooperation mit Siemens gebaut und vorwiegend Energieunternehmen zu Testzwecken überlassen.

Heute befinden sich einige davon in Privatbesitz. So wie der Wagen, mit dem Horst Schultz jeden Morgen zur Arbeit fährt. Der Leiter des Museums Autovision in Altlußheim bei Hockenheim ist stolz darauf, dass ein City-Stromer zum Fuhrpark gehört.

Der Wagen ist 13 Jahre alt, hat 35.000 Kilometer auf dem Tacho und sieht wie ein normaler Golf der dritten Generation aus. Die Blei-Gel-Batterien – unterteilt in 16 Blöcke – finden unter dem Fahrzeug und unter der Motorhaube Platz, sodass Rückbank und Kofferraum des Wagens unangetastet bleiben. Auch im Cockpit wirkt alles vertraut: Gangschaltung, drei Pedale, Zündschlüssel. Wenn man per Schlüsseldreh den Stromkreis schließt, beginnt der 20 kW starke Drehstrom-Synchronmotor völlig lautlos seine Arbeit.

Ungewohnt sind die zähe Kupplung und das manuelle Fünfganggetriebe. Ein Elektroauto mit Schaltgetriebe ist eine echte Rarität, da vollkommen unnötig: Stromer haben normalerweise eine stufenlose Kraftübertragung. Nach ein paar Kilometern hat man sich jedoch schnell mit dem Getriebe angefreundet und wechselt die Gänge nach Gefühl so, wie man es von einem Benzinfahrzeug gewohnt ist.

Beim Bremsen wird durch Rekuperation Energie zurückgewonnen. Im Vergleich zu einem normalen Golf 3 ist das höhere Gewicht des Autos zwar spürbar, doch mit 1,5 Tonnen bringt es kaum mehr auf die Waage als ein aktueller Golf.

Die Batterien bringen den Golf bis zu 70 Kilometer weit.Im Vergleich zum Mini E oder Smart ed ist der Anzug des Strom-Senioren natürlich ziemlich müde. Doch für die Stadt und kurze Überlandfahrten reicht das Durchzugsvermögen locker aus. Je nach Umgebungstemperatur bringen die Batterien den Strom-Golf bis zu 70 Kilometer weit.

Am Anfang war es etwas mehr, und auch an die Tücken des Batteriesystems musste sich Schultz gewöhnen: „Wenn die Batteriestandsanzeige bei einem Drittel steht, sollte man bald die nächste Steckdose ansteuern, denn dann gehen die Reserven schnell zur Neige“, berichtet Schultz.

 

Quelle: Financiall Times Deutschland

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